ZINKEN – 1.926 m – der etwas unscheinbarere Nachbar vom Hochschwab

30. Mai 2026 

Jetzt verrate ich euch ein kleines Geheimnis. Eigentlich sollte das letzte Wochenende im Mai endlich unsere S&R Hochschwab-Erstbesteigung werden. So mit allem was dazugehört. Coole Aufstiegsroute übers G’hackte, Hüttenübernachtung am Schiestlhaus, Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, Steinböcke fotografieren und jede Menge Gaudi und lässige Gespräche. So ein richtig abenteuerliches S&R Bergwochenende halt 😊.

Und fast hätte das ja auch super funktioniert – naja, wenn da das Wetter auch mitgespielt hätte.

Gefühlt habe ich ab Mitte der Woche die aktuelle Wetterprognose alle 30 Minuten für meinen besonders ausgeklügelten Plan studiert und das Ergebnis lässt sich ungefähr so zusammenfassen:
Vielleicht scheint die Sonne, möglicherweise kommt Starkregen auf uns zu, eventuell erwarten uns auch Sturmböen 😳. Hmmm. Meine Regenradar-App hat mir die buntesten Farben gezeigt und auch Bergfex war mit den vielen tiefblaue Regenwolken nicht unbedingt im Team Ramona 🫣.
Und egal wie oft ich die Apps auch aktualisiert habe – sie änderten ihre Meinung nicht.
Und auch, wenn ich ganz fest mit dem Daumen die Regenwolken wegwischte, verschwanden sie nicht. Anmerkung Sonja: das nennt man wohl Wolkentinder 😉

Irgendwann musste ich die Umstände so zur Kenntnis nehmen. Also wohl eher nix mit ruhigem, sonnigen Bergwetter. Beziehungsstatus Hochschwab somit weiterhin kompliziert 😉.

Na ja, ein bisschen ließ zumindest die Regenradar-App schließlich doch mit sich verhandeln und irgendwann zeigte sie mir tatsächlich ein ganz annehmbares Bergwetterfester. Vielleicht hatte sie aber auch nur Mitleid mit mir 😂. Für den Hochschwab passte es immer noch nicht, aber für den Zinken könnte es gut passen.

Der Zinken ist ein kleiner feiner Hochschwab-Nachbar und der perfekte Plan B, wenn der mächtige Hochschwab-Gipfel sich wieder einmal hinter einer dicken Nebelwand versteckt und sich wie eine Diva in Regenwolken hüllt.

Die Tour auf den Zinken ist halt kürzer, auch mit einem knackigem Aufstieg aber garantiert mit weniger Wetter-Drama.

Samstag früh, 06:00 Uhr, gehts los. Diesmal reisen wir mit leichtem Gepäck – nur unsere Rucksäcke, die Wanderschuhe, Stöcke und die Vorfreude auf einen coolen Bergtag. Die Fahrt vergeht gewohnt schnell – einfach ein cooles Miteinander wo man nicht nachdenken muss ob man sagt was auf dem Herzen liegt, wo man halt sein darf wie man ist – auch wenn da mal Traurigkeit oder ein bisserl zuviel Herausforderungen sind – es ist immer gut so wie es ist und das schätzen wir beide glaube ich sehr.

In Thörl biegen wir in Richtung Bodenbauer ab – die Fahrt dorthin ist das Vorprogramm für jedes Hochschwab-Abenteuer und ein kleiner Härtetest für die Stoßdämpfer. Irgendwann – wenn man schon denkt man hat sich verfahren – steht man direkt vor dem Bodenbauer, dem offiziellen Hochschwab-Basecamp.
Willkommen im digitalen Niemandsland :). Handyempfang Fehlanzeige 😉.

Heute haben wir freie Parkplatzwahl – liegt vermutlich auch an der Wetterprognose. Aber uns stört das nicht – Wanderschuhe schnüren, Rucksack schnappen und los geht es.

Vom Bodenbauer (884 m) geht es erstmal ein Stück die Forststraße taleinwärts in den Trawiesboden – soweit ist die Wanderung ja ziemlich gemütlich und das Wetter passt auch gut – die Sonne begleitet uns.

Beim ersten Schild das uns die Richtung zur Häuslalm (1.526 m) zeigt, geht es dann in ein Waldstück, und ab da beginnt es steil zu werden. Durch den Sackwald geht es durchgehend steil bergauf und da wird dann auch unser Ratschen ein bisserl weniger – dafür das Schnaufen mehr.
In gefühlt unzähligen Serpentinen geht es hinauf, unbarmherzig über steinigen und verwurzelten Untergrund, manchmal auch über die eine oder andere Steinstufe. Ma, ganz schön anstrengend. Endlich haben wir die Waldgrenze hinter uns gelassen und jetzt flacht auch das Gelände wieder ab. Jetzt geht es noch einmal durch die Latschen den Steig hinauf – aber dann muss ja irgendwo doch die Häuselalm auftauchen, oder?
Einmal tief durchschnaufen und weiter geht es – und endlich stehen wir dann oben am Plateau wo auf einem der schönsten Plätze die Alm steht.  Wow, von da hat man eine fantastische Aussicht. Uns taugt es dass die Hütte bewirtschaftet ist – echt gemütlich da und darum überlegen wir nicht lange – ein Sonnensitzer geht sich auf jeden Fall aus :).
Na ja, und wie das so ist, wenn man mit Sonja in der Steiermark unterwegs ist, treffen wir sicher jemanden der jemanden kennt den Sonja auch kennt. So oder so ähnlich. 🙄

Also, ich habe ja manchmal das Gefühl, dass in der Steiermark jeder jeden kennt. So wird es dann doch ein wenig ein längerer Hüttensitzer – wenn die Steirer mal ins Reden kommen – irgendwann geht es dann doch weiter – natürlich nicht ohne der halben Steiermark liebe Grüße ausgerichtet zu haben.
Für eine Waldviertlerin kann das manchmal ganz schön eine Belastungsprobe sein 😂😂😂😂.
Vermutlich wie mein Schweigen manchmal für Sonja.
Anmerkung Sonja: sehr, sehr lustig Ramona, wenn ma mal zsammsitzen, dann sitz ma …..😉 und dein Schweigen mag ich, dann plaudere ich halt für uns beide dahin.

Gleich hinter der Häuslalm beginnt der Aufstieg zum Zinken (1.926 m) – und da wollen wir ja heute noch hinauf. Hier beginnt die Wanderung ihren alpinen Charakter zu zeigen, das taugt uns sehr.
Wir tauchen ein in ein super Wandergelände – ein wunderschönes Hochtal durch das ein richtig lässiger steiniger Steig führt und hohe Felsstufen die fast wie Durchgänge wirken. Eine unglaublich schöne und unberührte Berglandschaft. Ab und zu bleiben wir einfach stehen und schauen, weil es so schön ist hier heroben. Der Blick hinüber zum Eisenerzer Reichenstein, zur TAC Spitze und zur Vordernberger Griesmauer.

Da sind wir überall schon oben gestanden. So viele coole Touren und in solchen Momenten ist da einfach auch immer Dankbarkeit das so erleben zu dürfen. Anmerkung Sonja: mit mir halt 😉

Der Steig schlängelt sich hinauf zur Hirschgrube und dreht sich dann nach rechts. Von da geht es noch einmal steil bergauf  – da brennen unsere Wadeln schon ganz schön. Wir halten uns an der Wegmarkierung rechts in Richtung Zinken – links würde der Hauptweg in Richtung Hundsböden und weiter in Richtung Hochschwab führen. Das Wetter hat mittlerweile schon ein bisserl umgeschlagen und es ziehen immer wieder hohe Wolken über uns. Je höher wir hinaufkommen desto stärker wird auch der Wind. Hmmm, da hatten die WetterApps wohl doch Recht. Ganz kurz habe ich den Gedanken umzudrehen – aber ein Blick in Richtung Wolken lässt uns dann doch weitergehen – der Wind ist zwar stürmisch und die Wolken haben sich jetzt endgültig vor die Sonne geschoben – aber vom Regen dürften wir verschont bleiben.

Der Steig der über den letzten Bergrücken hinauf zum Gipfelkreuz vom Zinken führt ist gut erkennbar und irgendwann stehen wir dann oben auf dem felsigen kleinen Gipfelplateau mit dem wunderschönen Gipfelkreuz.  Schade, dass die Sonne nicht doch ein kurzes Wollkenfenster findet, aber auch so ist die Aussicht auf die gegenüberliegenden Steilhänge und hinunter in Richtung Bodenbauer genial schön. In dem Moment da oben steht für mich fest dass wir auf jeden Fall wiederkommen wenn das Bergwetter wieder mal gut passt. Dann werden wir da oben auch ein Platzerl finden für unsere Bergjause. Dieses Mal geht es für uns aber gleich nach einem stürmischen Gipfelselfie retour, weil es doch zunehmend ungemütlicher wird und ich glaube auch einen Regentropfen gespürt zu haben 🫣.

Den Rückweg wählen wir gleich wie den Aufstieg und schnell sind wir wieder in dem Bereich des Steiges wo die Latschen etwas vor dem Wind schützen. Da finden wir auch einen idealen Jausenplatz und beim Auspacken schaut sogar die Sonne kurz vorbei. Aber nur kurz – denn genau jetzt beginnt es leicht zu regnen – nicht viel, aber doch so viel um die Regenjacken aus den Rucksäcken zu packen. Und wie könnte es anders sein – Jause fertig – Sonne wieder da 😊.

Die Stimmung zur Häuslalm am Weg zurück, ist dann auch irgendwie besonders. Sonnenstrahlen tauchen die fantastische Bergwelt rundherum in ein ganz sanftes, wärmendes Licht und man konnte den Regen noch ein bisschen riechen. Solche Momente sind ein besonderes Eintauchen in einen unglaublich zauberhaften Raum der Natur, in dem wir uns sehr willkommen fühlen – a Dahoam – a Gefühl.

Bei der Häuslalm konnten wir dann gar nicht anders als noch zu schauen, ob Kuchen übrig war.
Und so wurde es noch ein kurzer Hüttensitzer mit Café und Kuchen – aber wirklich nur kurz, weil in der Zwischenzeit doch wieder Regenwolken aufgezogen waren. 

Und fast hätten wir es auch im Trockenen bis zum Parkplatz geschafft – aber eben nur fast. Das letzte Stück durch den Wald und die letzten Meter bis zum Parkplatz war dann doch der Regen unser Begleiter. 

Im Auto schauen wir noch einmal hinauf zum Zinken – eine Felswand die riesig groß vor uns steht und da ist uns wieder einmal bewusst, dass das heute schon ein ganz schöner „Hatscher“ war.
Wiedereinmal 🫣 – so wie meistens, wenn S&R unterwegs sind und nur mal kurz nachschauen wollen :).

Anmerkung Sonja: Samma glei do 😉 – mir hat die Tour extrem gut gefallen, auch das Wetterspiel, sogar der Regen und wer so wie wir die Natur spürt, der versteht bestimmt warum wir Wettervielfalt mögen. Es ist, als ob die Natur das Bühnenbild wechselt und wir tauchen mit Hingabe ein wie es halt gerade ist.

Ich hoffe euch hat die Tour gefallen und uns taugt´s mit euch unterwegs zu sein.

eure Ramona und Sonja

Tourenbeschreibung:

Start: Gasthaus Bodenbauer (884 m) – Gebührenpflichtiger Parkplatz mit elektronischer Kennzeichenerfassung – Bezahlung vor Ausfahrt; Übernachtungsmöglichkeit; TelNr.: +43 3861 8130 oder +43 664 34 36 323; Mail: office@der-bodenbauer.at; www.der-bodenbauer.at

Zwischenziel: Häuslalm (1.526 m) – Bewirtschaftete Almhütte; 16 Schlafplätze; TelNr.: +43 650 7812018; www.haeuslalm.at

Ziel: Zinken (1.926 m)

Aufstieg: ca. 1050 Höhenmeter

Anforderung: Anstrengende und lange Wanderung auf gut markierten Wegen und Steigen; ab der Häuslalm alpine Wanderung; im unmittelbaren Gipfelbereich Trittsicherheit und Schwindelfreiheit; Vorsicht bei Nebel!

Einkehr: Bodenbauer, Häuslalm

Ausrüstung: Wanderschuhe, Rucksack,  Wind- und Regenschutz, Wanderstöcke für den steilen Abstieg empfehlenswert; Genügend Trinkwasser mitnehmen – oberhalb der Häuslalm keine Möglichkeit der Verpflegung; 

Weitere Tourenmöglichkeiten ab der Häuslalm:  
 Buchbergkogel; Sackwiesensee + Sackwiesenalm; Sonnschienalm; Hochschwab-Gipfel;

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