Wir sind was wir suchen und wir finden was wir sind. Sofias home. Leben eine Reise
Ich sitze in meinem Café, lese Nachrichten, schreibe, suche ein Bild für diesen Beitrag und unterhalte mich.
Ich mag den Zufall in der Begegnung, wenn Augenblicke Regie führen und spontan coole Gespräche entstehen, jenseits des sich Kennens, jenseits der Begegnung in Bildern und Formen.
Ein junger Mann erzählt von seiner Arbeit auf der Baustelle und eine alte Dame von ihrem erst kürzlich verstorbenen Mann.
Meine Gedanken reisen um das Wort Beziehungsformen, ein spannendes und doch komplexes Thema.
Vielleicht habt ihr Lust bisschen mitzukommen auf meine Gedankenreise 😉.
Beziehungsformen gibt es viele wie die Freundschaft, Familie, Bekanntschaft, Partnerschaft, Elternschaft, Kollegenschaft und jede dieser Formen trägt ein stilles Konzept in sich, natürlich auch kulturell konditioniert und oftmals nicht hinterfragt.
Irgendwie ist ein Singledasein auch eine Beziehungsform und es scheint, als ob die Freude im Miteinander, das Lebensglück davon abhängig ist welches Konzept unser Miteinander umgibt.
Auf dem Bild seht ihr die farbenfrohen, in der Sonne leuchtenden Felsen von Milos. Ihre beeindruckende Schönheit, die Einzigartigkeit der Formationen weckten Fragen zu Beziehungsformen in mir.
Diese bunten Hügel sind natürlich entstanden und sie lösen ein Gefühl von Stabilität und Verbundenheit aus und Mutter Natur ist eine gute Lehrmeisterin, wenn es um Miteinander, Einzigartigkeit und Beständigkeit geht.
Gedanken kreisen um das Thema und so nahm ich eines Abends für diesen Blogbeitrag mein gutes, altes Stammbuch aus dem Jahr 1981 in die Hand.
Ich blättere darin, versuche mich zu erinnern und finde einen Beitrag meiner ehemaligen Freundin Barbara aus Graz. Sie schrieb mir vor vielen Jahren in mein Büchlein:
„Liebe Sonja! Immer will ich deine Freundin sein, ob du fern bist oder nah, das für ewig aufzuschreiben, dafür ist dein Album da“ – echt cool.
Ich würde Barbara jetzt gern anrufen und sie fragen, ob wir noch Freundinnen sind, doch leider, ich habe keine Ahnung mehr wer Barbara heute ist. Diese Versprechen, bereits als Kinder versprechen wir einander „für immer Freunde“ zu sein.
Wir lernen einander kennen und es braucht eine Beziehungsform, was wir zueinander sind. Bekannte, Freunde, Partner, Kollegen oder Fremde – und mit Fremden spricht man nicht 😉.
Ich glaube das gibt uns das Gefühl von Sicherheit. Ein cooles Konzept das uns darüber informiert, ob wir uns vertrauen und mögen – tief abgespeichert im Unterbewusstsein, konditioniert seit Kindheit. Ich glaube sogar, dass wir unser Selbstgefühl aus Beziehungsformen ziehen.
Wir gießen Miteinander in eine Form. Wir verlangen und streben danach, das geht sehr schnell, sogar schon beim 1. Date ist das Konzept „Partnerschaft“ erstellt, das Streben nach dem Ideal und die unsichtbare Matrix, die wir über eine Begegnung legen, tut was sie tun muss – sie formt, erwartet und lenkt.
Diese Beziehungsmatrix ist wie ein unsichtbares, ziehendes Netz bestehend aus Glaubenssätzen, Erwartungen, Schablonen und Bildern. Der Verstand liebt Konzepte und schließlich hängt auch das Vertrauen davon ab was wir zueinander sind. Es schenkt uns das Gefühl von Sicherheit, doch manchmal auch Zweifel und Sätze wie:
„Wir sind Freunde und ich habe dir vertraut. Du bist mein Mann und ich habe dir geglaubt. Du bist meine Mama und immer für mich da.“
Ich denke darüber nach wie wohl eine Welt aussehen würde ohne konditionierte Beziehungskonzepte.
Warum ich darüber nachdenke?
Ganz einfach, weil wir tagtäglich sehen wie viele Dramen, Verrat, Betrügereien, auch Gewalt in vielen Formen sich in Familien und Partnerschaften abspielen, da Abhängigkeiten und konditionierte Beziehungsideale mit vielen Erwartungen nicht erreicht werden können.
Ein Umdenken und Andersdenken erkenne ich nicht. Wir leben in Österreich mit alten, konventionellen Gesetzen, um nur ein Beispiel anzuführen:
Das Verlassen des Eigenheims einer ehelichen Partnerschaft wird in Österreich noch immer als „Böswilliges Verlassen“ eingestuft und das obwohl wir wissen wie gefährlich das Eigenheim sein kann, doch dem natürlichen Instinkt zu folgen und zu gehen um Konflikte, auch Gewalt, Streit vor den Kindern zu vermeiden, ist leider gesetzlich nicht gestattet. Materielle und konservative Werte stehen über dem Leben und der Gesundheit von Menschen. Das „Böswillige Verlassen“ gilt als eine schwere Eheverfehlung – eigentlich unvorstellbar, dass uns Gesetze vorschreiben wie und mit wem wir zu leben haben und dann wundern wir uns über all die Dramen und die Gewalt in Familien. Der Mensch darf nicht frei sein.
Ein Konzept ist ein Leitbild wie eine Beziehung sein soll, doch Menschen passen nun mal in ihrer Einzigartigkeit selten hinein.
Wie sieht Familie aus jenseits von „Papa, Mama und Kind unter einem Dach“?
Wie funktioniert Freundschaft ohne der Idee „immer füreinander da zu sein“ und schenken uns diese Beziehungsformen tatsächlich Sicherheit oder doch eher eine Reise mit vielen Erwartungen durch die Welt der Ent-Täuschung.
Vor ein paar Jahren war mein großer Wunsch wieder eine Partnerschaft zu finden und meine Vorstellung dazu war sehr klar. Kriterien wurden erfolgreich definiert. Frau muss wissen was sie will 😉.
Unbewusst, doch überzeugt, versuchte ich zu finden was ich kannte und ich kam erst gar nicht auf die Idee, dass die konventionelle Form der Beziehung nicht zu mir passt und Hand aufs Herz, sage ich mir selbst, genau an diesen Erwartungen, die wir seit der Kindheit mitbekommen, sind meine Beziehungen „gescheitert“.
Dates waren prädestiniert dafür sich mit Konzepten, Kriterien und Ideen zu begegnen, anstatt mal einen Raum zu spüren, ein MiteinanderSein, den Augenblick.
Stephan meint dazu „Formen haben immer Grenzen, aber ein Miteinander in dem wir uns wohl fühlen, sein dürfen wer wir sind, wirklich gesehen werden, wo wir spüren dass da jemand ist der uns wirklich mag und uns versucht zu verstehen und uns vertraut – dieses Miteinander ist grenzenlos. Vielleicht kann man sich echte Begegnungen deshalb auch nicht wünschen, weil wir nicht wissen was alles möglich ist, weil wir immer in Formen und Grenzen denken.“ – richtig cool formuliert.
Lasst uns kurz das Wort Scheitern betrachten. In meinen Zeilen ein Ausdruck, der versucht zu beschreiben, was ich meine.
„Scheitern“ verwenden wir doch gern, wenn wir uns über das Ende von Beziehungen unterhalten.
Menschen gehen getrennte Wege und anstatt Mut zu machen, folgt das Urteil „Ehe gescheitert“ – eine klare Erwartung in einer konventionellen Beziehung. So gesehen sind meine Beziehungen gescheitert, denn ich glaubte doch tatsächlich, dass eine gute Partnerschaft, Freundschaft sich dadurch auszeichnet, dass sie ein Leben lang hält wie es auch heute noch gern dargestellt wird. Die Benennung „scheitern“ braucht es nicht. Es ist wie es ist und die Reise von Menschen ist zu respektieren, ohne Etikettierungen wie „böswillig“ und „Beziehung gescheitert“ aufgedruckt zu bekommen.
Sofias home. Leben eine Reise haben wir gegründet, um Bewusstsein für die Qualität der Begegnung zu fördern und es entstand eine Miteinanderreise. Was Ramona und ich nicht möchten, ist ein Ideal einer Freundschaft darstellen, denn ich glaube nicht an Konzepte in Beziehungen, sondern an ein Miteinander, an Formen die natürlich entstehen dürfen, an eine Begegnungsqualität im Augenblick und dass jedes Miteinander Einzigartigkeit in sich trägt.
Unsere Freunde auf Sofias home reflektieren mit uns und Julia schreibt:
„Natürlichkeit braucht keine Form, weil auch sie sich immer weiterentwickelt und verändert, wie sie gut zu uns passt.“ – wenn wir im Miteinander uns zu sehr an Konzepte orientieren, geschieht oft unbewusst, dann verlieren wir im Miteinander die Kraft der Natürlichkeit.„
Richard & Christoph schreiben uns aus Vorarlberg: „Wir haben auch lange nachgedacht, dass wir im Leben Schritt für Schritt etwas erfüllen sollten, was uns vorgelebt wurde. Beziehung, Verlobung, Haus, Kind, Heirat, eine Familie gründen halt. Wir sind jetzt beide Mitte 40 und es ist wohl nicht unser Weg, obwohl wir es versucht haben. Miteinander ist kein Konzept, für alle gleich ist. Miteinander kann man nicht planen. Miteinander kann man auch nicht lernen.“
Die Beziehung zu meinem Dad war einzigartig, doch leider konnte er das konventionelle Familienmodell nicht leben, er genügte nicht – also mir schon, doch nicht in der Vorstellung meiner Familie. Heute bin ich überzeugt, dass mein Dad in seiner Einzigartigkeit, mit der Freigeistnatur in ihm, all die Erwartungen nicht erfüllen konnte was dazu führte, dass der Kontakt endete als ich ein Kind war.
Zudem tragen Miteinanderkonzepte Rangordnungen der Liebe in sich, wie „Blut ist dicker als Wasser“.
„Meine Kinder stehen an erster Stelle“ usw. – nicht der Augenblick entscheidet, die Situation, sondern Glaubenssätze und Erwartungen. Eigentlich Schwachsinn, denn Liebe kennt keine Rangordnung.
Romina schreibt: „Die Natur lehrt uns, dass diese einzigartigen Formen, die in einer natürlichen Umgebung entstehen beständig sind, kräftig und stark. Stärker als jede Form die an Verlangen und Erwartungen gebunden ist.“
So empfinden auch wir die Form unserer Freundschaft, lebendig und stark. Ein Gefühl, das auch entsteht, wenn wir die Berge betrachten, oder die bunten Felsen auf Milos in ihrer natürlichen Form.
Daniel und Leo erzählen von ihrer Reise und ich erkenne darin Parallelen zu meinem Weg:
„Passt ein wahres Miteinander in eine konstruierte Form, konstruiert aus dem Verstand oder aus den Erinnerungen? Was macht eine echte bewusste Begegnung aus? Vielleicht gerade die Formlosigkeit, dass man keine Idee hat, was einem erwartet in einer Begegnung und dass man es sich auch gar nicht vorstellen kann wie etwas anders ist als das was wir kennen. Unsere Freundschaft hätten wir uns nie vorstellen können, weil wir beide aus sehr abhängigen Beziehungen kommen – seit wir denken können. Und plötzlich lernt man Neues kennen und spürt, dass das gut zu uns passt, dass wir uns plötzlich gesehen spüren und nicht mehr eingeengt. Formen dürfen sich ergeben und verändern und das Geheimnis einer coolen bewussten Begegnung und von einem Miteinander mit viel Herz ist wahrscheinlich das wir freilassen und Veränderungen uns keine Angst machen, dass wir uns immer wieder neu kennenlernen und Spaß daran haben, dass wir unglaublich viele Seiten aneinander kennenlernen. Einander sehen und einander zuhören, mit dem Herzen sehen“.
Besser könnte ich es nicht zum Ausdruck bringen. Wie suchen wir eine Freundschaft, eine Beziehung, das Neue, wenn wir Miteinander frei & verbunden nicht kennen?
Miteinander – jenseits von Konzepten stellt keine Unordnung dar. Es bedeutet ganz bewusst den Menschen vor das Konzept zu stellen und das Wesen der Natur in einer Beziehung zu spüren als eine lebendige Reise im Miteinander.
Ich möchte noch ein Statement von Eric anführen: „Wir glauben wenn man sich auf einer ähnlichen und etwas höheren Bewusstseinsebene trifft, dann braucht es weder Form noch Konzept :). Man weiß was gut tut und man spürt augenblicklich wo man sich wohlfühlt und was im Miteinander möglich ist oder eben nicht möglich ist. Formloses und Konzeptloses Miteinander setzt aber für uns immer dieses Lebensverständnis, diese Weite und Offenheit, Vertrauen und Verständnis aus.“
Liebe braucht kein Konzept und Miteinander keine unbewussten Gedankenprozesse die uns mit Konzepten anleiten wie wir uns zu verhalten haben, sondern Bewusstsein.
Danke Marlene: „Wir dürfen viel mehr zu uns und zu unserer Meinung stehen und wir dürfen viel mehr zu den Menschen stehen, wo wir ein gutes Gefühl haben, die wir mögen und mit denen wir gerne unterwegs sind. Alles was zählt in einer Begegnung ist, dass wir uns wohlfühlen und wir merken, dass wir gesehen und gemocht werden wie wir einzigartig sind. Egal ob Partnerschaft, Kollege, Familie oder Freundschaft.„
So fördern wir Bewusstsein, dass es eine natürliche Intelligenz in Beziehungen gibt die Miteinander formt und Verbundenheit fördert. Wir können Miteinander fördern, indem wir lernen jenseits von richtig und falsch zu reflektieren und wir damit aufhören Sicherheit in Beziehungen zu suchen, die Zweisamkeit als Idealbeziehungsform zu verherrlichen.
Wir können die bewusste Begegnung erfahren und fördern, indem wir lernen unbewusste Gedankenprozesse über Menschen zu beobachten und uns den gegenwärtigen Moment der Begegnung bewusst machen.
Danke für eure Beiträge!
Sonja
Zitat zum Reflektieren:
„Wenn ich sage „ich kenne dich“ meine ich damit, dass ich dich gestern kannte. Ich weiß nicht wie du jetzt bist. Alles was ich kenne, ist meine Vorstellung von dir. Das Bild ist zusammengestückelt aus Erinnerungen an dich. Bildbedingte Beziehungen hindern uns an einer wirklichen gegenseitigen Verständigung. “ Jiddu Krishnamurthi
Wir geben die Zuversicht nicht auf, dass vielleicht doch jemand ein paar Euro für den weiteren Aufbau unseres gemeinnützigen Vereins Sofias home spendet und wir freuen uns über jede kleine Spende, aber auch über ein Sponsoring – was sind schon mal 5 Euro Spende für Sofias home. Leben eine Reise 😉 –
DANKE!
Verein Sofias home
RAIKA – IBAN: AT67 3288 0000 0060 4801